Geschichte

Die „Evangelische Kirchengemeinde der Pauluskirche zu Marburg“so die ursprüngliche Bezeichnungwurde am 1. Oktober 1962 gegründet. Dabei transferierte man die 1. Pfarrstelle der Universitätskirche zur neuen Kirchengemeinde und übertrug sie Claudia Bader, die zeitgleich zur Pfarrerin ordiniert wurde. 

Ursprünglich hatte man in Ergänzung zu den schon bestehenden Marburger Gemeinden Matthäus, Markus und Lukas an den Namen Johannes gedacht, auf diesen jedoch mit Rücksicht auf die katholische Kugelkirche St. Johannis zugunsten von Paulus verzichtet. Dass es dabei zu einer Überschneidung mit der ebenfalls schon bestehenden katholischen Gemeinde Peter und Paul kam, hat man wohl übersehenein Umstand, der bis heute gelegentlich zu Verwechslungen führt. 

Der Stadtteil „Hansenhausviertel“, benannt nach den beiden traditionsreichen Ausflugslokalen am Waldrand, entstand im Wesentlichen in den Jahren 1950-1960 rund um die Brüder-Grimm-Straße, in der bereits ab 1934 mit Eigenleistung und Nachbarschaftshilfe kleine Siedlerhäuser für Arbeitslose errichtet wurden. In den großzügigen Gärten baute dann häufig die nächste Generation. Aus dem Siedlerverein wurde die nach wie vor sehr aktive Hansenhausgemeinde, die das Zusammenleben im Stadtteil sehr prägt und bereichert. 

Nach dem Krieg wuchs das Hansenhausviertel unter anderem durch Heimatvertriebene, viele von ihnen aus Schlesien und Pommern, Kriegsversehrte und TBC-Rekonvaleszente, aber auch Arbeiter, Angestellte, Beamte, Kaufleute und Universitätsangehörige. 

Vor 50 Jahren lebten hier etwa 3.000 Menschen, 2.000 von ihnen waren evangelisch – heute sind es noch 950. 

Unter Pfarrer Helmut Adamek von der Universitätskirche wurde seit April 1959 der Bau eines Gemeindezentrums geplant. Ursprünglich sollte es in der Gerhard-Hauptmann-Straße stehen, wo sich heute Grundschule und Kindergarten befinden. Nach Verhandlungen mit dem Magistrat bekam man dann jedoch den Platz neben dem Bismarckturm zugewiesen. 

Am 12. November 1961 wurde durch Dekan Walter Lacher(?) der Grundstein für Kirche und Gemeindehaus gelegt. Für den Bezirk war bereits Pfarrerin Claudia Bader zuständig, die den Bau vorantrieb und mitgestaltete. Architekt war Dipl.-Ing. Walter Freiwald aus Marburg. 

Am Ostermontag 1963 wurden die Pauluskirche und das Gemeindehaus feierlich eingeweiht. Im Juli 1964 war die Walcher-Orgel fertiggestellt, die 1970 noch einmal erweitert wurde. Sie verfügt über 16 Register. Das eindrucksvolle, von blauen Farbtönen dominierte Buntglasfenster stammt vom Marburger Glasmaler und Bildhauer Florian Lechner. 

Im April 1967 feierte man das Richtfest des Glockenturms und im Juni erklangen an Trinitatis erstmals die drei Glocken Jubilate, Cantate und Rogate, zu Deutsch: Betet, singt, jubelt! 

Die erste Pfarrerin der Pauluskirche, Claudia Bader, kam am 12.11.1900 in Codacal/Ostindien in einer Missionarsfamilie zur Welt. Sie wurde zunächst Lehrerin, studierte dann von 1929 an Theologie in Marburg, wo sie auch das Vikariat absolvierte. 1934 legte sie ihr 2. Examen ab und wirkte dann in der Klinikseelsorge und Jugendarbeit. Im 3. Reich stand sie der Bekennenden Kirche nahe. Am 20. Dezember 1952 wurde Claudia Bader – 52-jährig - durch Bischof D. Wüstemann in der Universitätskirche ordiniert. Sie wirkte zunächst als „Sprengelvikarin“ und rechte Hand von Bernhard Ritter und als Strafanstaltsgeistliche im Frauengefängnis Ziegenhain.

Erst das am 1. Dezember 1961 auf der Synode in Hephata beschlossene Kirchengesetz über das Amt der Pfarrerin gab ihr – inzwischen 61 Jahre alt!das Recht, auch als Gemeindepfarrerin zu wirken – sofern sie nicht heiratete. Am 1. Dezember 1962 übertrug man ihr die neugeschaffene Pauluspfarrstelle. Theologisch geprägt war sie von den Berneuchnern und dem Theologen Paul Tillich, mit dem sie eine persönliche Freundschaft verband. Sie ist den Menschen als selbstbewusste, entschiedene Persönlichkeit in Erinnerung geblieben, die sich durch ihre Führungsstärke bei der Gründung der Gemeinde und dem Aufbau von Kirche und Gemeindezentrum sehr verdient gemacht hat. Sie lief, wie berichtet wird, gewöhnlich leicht vornübergebeugt mit kleinen, raschen Schritten, getrieben von „heiliger Ungeduld“. Kaum etwas ging ihr schnell genug. Wichtig waren ihr der Dienst an den Kranken, die Kirchenmusik, insbesondere die Orgelmusik und das gemeinsame Singen. Sie stand in Verbindung mit verschiedenen Professorenfamilien, darunter denen von Hans von Soden, Theodor Siegfried, Rudolf Bultmann und Karl-Heinz-Ratschow. 

Am 30. Oktober 1966 hielt sie ihre Abschiedspredigt. Acht Jahre später starb sie am Pfingstmontag im Alter von 74 Jahren nach kurzer Krankheit. 

Pfarrerin Bader hatte das Pfarrhaus nicht für sich allein. Sie konnte nur den Gemeindesaal bewohnen und notdürftig im Keller kochen. Die eigentliche Pfarrwohnung wurde von Kurt Müller-Osten, Propst des Sprengels Marburg, genutzt. Von November 1962 bis September 1966 hatte er eine zu diesem Zweck geschaffene zweite Pfarrstelle in der Paulusgemeinde inne. Damit fiel ihm zugleich der Vorsitz im Kirchenvorstand zu, den eine Pfarrerin nur dann übernehmen durfte, wenn sie keinen männlichen Kollegen hatte. 

Propst Müller-Osten ist der Paulusgemeinde nicht zuletzt durch seine meisterhaften Predigten in Erinnerung geblieben. 1966 siedelte er ins neue Propsthaus über und wurde nun der Elisabethkirche zugeordnet. 1971 trat er in den Ruhestand. 

Am 1. November 1966 übernahm Pfarrer Walter Krug aus Winnen die Pauluspfarrstelle. Ein besonderer Schwerpunkt war bei ihm die Jugendarbeit. Er ging im Oktober 1975 in den Ruhestand. 

Ihm folgte Pfarrer Peter von Haebler, der am 7. März 1976 eingeführt wurde. Ihm lagen nicht zuletzt die Familien- und Bläserchorarbeit am Herzen, in der auch seine eigene Familie über Jahre mitwirkte. Am 1.9.1991 wurde er verabschiedet und wechselte für seine letzten Dienstjahre ins Nordhessische. Seit seinem Eintritt in den Ruhestand lebte er bis Juni 2015 wieder in der Nähe von Marburg, übernahm regelmäßig Gottesdienste in der Pauluskirche und brachte sich mit seinem wunderbaren Bariton im Gemeindechor ein. Danach zog er mit seiner Frau zu den Kindern nach Bielefeld. 

Ihm folgte im März 1992 Pfarrer Friedhelm Rode. Dieser setzte gemeinsam mit seiner Frau, der Ärztin Dr. Veronika Rode einen Schwerpunkt in der Kirchenmusik sowie Vortrags- und Gesprächsabenden. Am 8. Oktober 2000 wurde er in den Ruhestand verabschiedet. 

Im August 2001 übernahm dann Pfarrer Markus Rahn die Stelle, die auf eine halbe reduziert und mit einer halben Studienleiterstelle am Studienhaus der Kurhessischen Kirche kombiniert wurde. Nachdem diese zweite Hälfte Einsparungen zum Opfer fiel, wurde Pfarrer Rahn im Januar 2012 neben seiner Gemeindestelle mit der Betreuung von Freiwilligendienstleistungen beauftragt. Im März 2013 fiel dann die Entscheidung, dass er zukünftig zu gleichen Teilen für die Paulus- und die benachbarte Lukasgemeinde zuständig sein sollte. 

Am 1. Januar 2019 wurden beide Gemeinden zu einer Gemeinde vereinigt.

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